Archiv für die Kategorie „Abenteuer“

Eis konserviert

Freitag, 4. April 2008

Wenn man verderbliche Dinge lange aufbewahren will, so lagert man sie kühl. Diese Lebensweisheit hat die Leiche von Ötzi (den Gletschermann, nicht den DJ) immerhin 5000 Jahre im Gletscher mehr oder minder frisch erhalten. Auch die Antarktis eignet sich durch die gleichmäßige Eiseskälte hervorragend als Zeitkapsel. So sind die Hütten der Antarktisforscher Robert Falcon Scott und Ernest Shackleton aus den Anfägen der Antarktisforschung Anfang des 20. Jahrhunderts so hervorragend erhalten geblieben, als wären die Expeditionsteilnehmer nur mal grade aufs Klo gegangen. Im Weblog Fogonazos finden sich eine Menge Bilder der beiden Hütten. Keine der beiden Expeditionen kehrte in die Hütten zurück. In den prall gefüllten Vorratsregalen stehen Dosen mit Fleisch, Zwiebeln und Kohl, es liegt Brot in den Regalen und Socken hängen an der Wäscheleine.

Die Scott-Expedition machte sich am 1. November 1911 von der Hütte aus auf den Weg, als Erste den Südpol zu erreichen. Leider war der Norweger Amundsen mit seiner Expedition schneller, Scotts Truppe kehrte nie zurück – alle Expeditionsteilnehmer starben auf dem Rückweg vom Südpol. Die Hütte wurde später von Ernest Shackleton als Basislager für die Expedition 1914 verwendet, die Vorräter beider Expeditionen lagern noch immer dort. Die Hütte befindet sich an der Nordküste von Cape Evans auf Ross Island.

Am 1. Jänner 1908 machte sich Shackletons Nimrod-Expedition von Neuseeland aus auf den Weg in die Antarktis. Sie landeten ebenfalls auf Ross Island nördlich von Cape Royds, etwa zwanzig Meilen von Hut Point entfernt. Dort errichteten sie aus Fertigteilen die Hütte des Basislagers und einen Pferdestall. Von dort aus startete die Südpolexpedition.

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Geisterstädte

Sonntag, 16. März 2008

pripyatPassend zum vorigen Eintrag: natürlich gibt es auch anderswo Gebäude, die einfach von den Bewohnern verlassen wurden. Und oft wird gar eine ganze Stadt sich selbst überlassen, etwa weil die Goldvorräte erschöpft waren, die Öl- (oder Wasser)quellen nicht mehr sprudelten oder durch die Umleitung von Hauptverkehrsadern, die ein Leben in der Stadt nicht mehr profitabel machten. In neuerer Zeit kommt ein eher unangenehmer Grund für die blitzartige Evakuierung einer ganzen Stadt hinzu: radioaktiver Fallout. Eine hübsche Zusammenstellung an Websites über derartige Geisterstädte fand sich vor einiger Zeit bei Etosha:

Vier weitere Geisterstädte kann ich auch noch hinzufügen, über die ich bei meinen Surftouren immer wieder gestolpert bin:

  • Prypjat – die Stadt liegt nur 4 km neben dem havarierten Atomreaktor Tschernobyl und wurde 36 Stunden nach dem Reaktorunfall von 1986 völlig evakuiert. Es gibt eine eigene Website über Prypjat mit vielen Bildern. Die Russin Elena Filatova war mit dem Motorrad in der Todeszone und hat eine beklemmende Reportage über die Todeszone und die Geisterstadt mit beeindruckenden Bildern auf ihrer Website veröffentlicht.
  • Hashima („Battleship Island“) ist eine kleine Insel vor der Küste Japans. Sie diente von 1887 bis 1974 als unterseeisches Kohleabbaugebiet und ist seither unbewohnt. Zeitweilig lebten mehr als 5000 Personen auf dem nur 160 x 450 Meter großen Eiland – das ergab im Jahr 1959 eine (rechnerische) Bevölkerungsdichte von 83.476,2 Einwohnern pro Quadratkilometer – eine der höchsten, die bis heute je ermittelt wurden. Dazu gibts von mir als Surftipps eine aufwändige Fotodoku von Jürgen Specht und eine japanische Website mit Bildern und Infos von 1974 und heute.
  • Die Geschichte der Geisterstadt Centralia in Pennsylvania klingt fast unglaublich: 1962 brach in einer Kohlenmine bei Centralia ein Feuer aus. Dieses Feuer wütet bis heute(!) und frisst sich unter der Erde durch das Kohlenflöz. Die Stadt wurde aufgrund der hohen Giftgaskonzentration unbewohnbar. Experten schätzen, daß die Menge an Kohle im Flöz ausreicht, um die unterirdischen Feuer noch für 100 bis 200 Jahre am Brennen zu halten. Alle Löschversuche waren erfolglos.
  • Selbst in Österreich gibt es Geisterstädte. Die wohl bekannteste ist Döllersheim, der größte der etwa 40 Orte, die 1938 für den Truppenübungsplatz im Waldviertel ausgesiedelt wurden. Der Ort war die Heimat des Vaters von Adolf Hit*ler. Bis heute wird daher vermutet, Hit*ler wollte mit der Auswahl gerade diesen Gebietes seine Herkunft vertuschen. Ausführliche Infos über die ausgesiedelten Orte gibts im Online-Buch „Die entweihte Heimat“ von Johannes Müllner.

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